Mein langersehntes Praktikum endete in einem Desaster , weil die Kollegen mich mit sexistischen Parolen und rassistischen Sprüchen nervten… Aber das lies mich eigentlich kalt. Ich hatte ganz andere Sorgen, als so dumme Assis vom Dienst!
Denn das Leben ist ja kein Ponyhof! Und zwischen Kammerflimmern und einem schweren Verkehrsunfall bin ich das Gefühl nicht los geworden, dass ich mich Verliere, dass ich auf halber Strecke liegen bleibe… Aber ich habe es grade so geschafft, ganz ohne einen super GAU! Was mich irgendwie gewundert hat. Aber mir kann es nur recht sein!
Doch in bestimmten Momenten kommt es wieder alles hoch… All das Leid und all das Elend! Und während mir eine Patientin quasi ins Gesicht kotzte, musste ich echt anfangen zu lachen, also innerlich. Ich weiß nicht warum, aber ihr Gesicht und ihre vollen Wangen- bis oben hin voll mit Kotze, ich würde sogar sagen Linsensuppe- das hatte was komisch-lustiges! Aber auf der anderen Seite sind da weniger lustige Einsätze. Während der Funkspruch ganz ruhig einen Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug anfordert sieht die Realität beschissen aus… Schon auf der Anfahrt sehe ich, dass der auf dem Gehweg liegende Mann mein Nachbar ist und das er seine besten Tage hinter sich hat. Als ich aus dem Wagen steige, voll gepackt mit Gerätschaften, schmecke ich das Blut auf meiner Zunge. Ich sehe zwar noch nicht das ganze Drama, aber der erste Blick reicht aus, um festzustellen das es scheiße enden wird. Nach kurzem stocken gehe ich weiter auf Ihn zu und sehe das er noch am Atmen ist. Seine Zunge streckt aus einem Meer von Blut und abgebrochenen Zähnen. Sein Gesicht und der Gehweg sind voller Blut. Wie ich kurze Zeit später feststellen sollte, macht er grade seine letzten beiden Atemzüge. Während der Notarzt und die Assistenten sich um Ihn kümmern, stehe ich da und beobachte die ganze Szene. Ich sehe die Autofahrer die leicht verängstlich gucken, weil sie grade sehen wie ein Mensch reanimiert wird aber ich sehe auch Vögel, die grade hinter einem Baum hervor fliegen und natürlich die Kollegen. Sie sind inzwischen sehr hektisch geworden. Ich breite eine Infusion vor und reiche Verbrauchsmaterial an. Kurz darauf fragt mich der Notarzt ob ich schonmal einen Menschen reanimiert hätte, während er den Patienten reanimiert. „Öh, ja, also nein! Nur eine Puppe!“ Sage ich, doch es reicht Ihm aus um zu sagen „so, dann komm her!“ Als er das sagt zeigt er mir nochmal, wie die Herzdruckmassage richtig gemacht wird. Tja, und jetzt bin ich der jenige der diesen Menschen reanimiert. Es war komisch, aber irgendwie auch nicht. Vor mich hin drückend sehe ich, dass der Mann kaum noch ein Gesicht hat, alles ist total kaputt, die Nase, die Stirn und die Lippen… Plötzlich merke ich das etwas nicht stimmt und während ich das merke bricht auch schon eine Rippe des Mannes! Verstört schaue ich den Arzt an- und er sagt „Das passiert, is nicht schlimm!“ …nach ca 20 minuten ist der „Kampf“ verloren…
Und während der Tag sich für mich erledigt hatte, musste ich feststellen wie falsch ich damit lag. Als ich Abends am PC war und mit einem Mensch am schreiben war, merkte ich das mir alles andere grade scheißegal war. Solange ich nur mit diesem Menschen schreiben konnte, schien alles andere unwichtig und zweitrangig…
Ich möchte fast sagen, es ist das große Glück, aber es klingt so komisch! Aber nichst macht mich derzeit glücklicher als dieser Mensch! Und dabei kenne ich Sie kaum und erstrecht habe ich sie noch nie „live“ gesehen… es entspricht eigentlich nicht meiner Art, aber ich habe ein mir unbekanntes Urvertrauen zu dieser Person, so als würde sie schon immer in meinem Leben neben mir stehen und mich anlächeln…